, Jürg Dinner

OL-Weltmeisterschaft in Genua statt Jukola

Mit Benjamin Wey ist erstmals ein OLG Zürich-Läufer für eine Fuss-Elite-OL-WM selektioniert. Am 7. Juli wird Beni die Schweizer Farben im Sprint in Sestri Ponente bei Genua vertreten. Zudem wurde Benjamin als aktuell neunter in der Weltcup-Rangliste für die Weltcup-Läufe im August in Tschechien vorselektioniert. Die OLG Zürich gratuliert Beni für die tollen Resultate und wünscht ihm für beide Wettkämpfe viel Glück und Erfolg. In einem kurzen Interview haben wir ihn in Hinblick auf die WM befragt.

Wie hast du in so kurzer Zeit den Schritt vom Junioren-Kader über die Elite und den Weltcup zur WM geschafft? 

Das weiss ich auch nicht so genau. Es kommt auch für mich sehr überraschend, dass ich bereits dieses Jahr die Selektion für die WM geschafft habe. Ein Grund ist sicher, dass ich im Frühling 2025 die Spitzensport-RS absolvieren durfte und dann ab dem Sommer 2025 ein Teilzeitstudium begonnen habe. So habe ich deutlich mehr Zeit fürs Training als zuvor, als ich noch gearbeitet habe. Dadurch konnte ich mein Trainingsvolumen steigern und grössere Fortschritte erzielen.   

Was ist im Sprint der schwierigste Moment? 

Für mich gibt es nicht den einen schwierigsten Moment, sondern vielmehr bestimmte Zeitpunkte oder Szenarien, die entscheidend sein können. Der erste ist die Startphase. Es kann sein, dass die Distanz zum Startpunkt sehr kurz ist und man nicht viel Zeit hat, um die erste Route zu lösen. Man muss also von Beginn an sehr fokussiert sein und vor dem Start genau wissen, was man als Erstes macht, wenn man die Karte bekommt. Ich weiss vor dem Start immer, wo Norden ist, und weiss genau, wie ich die Karte drehen muss, damit sie eingenordet ist. Auch versuche ich mir vorzustellen, wo sich der Start im Vergleich zum Laufgelände in etwa befindet, damit ich weiss, wo auf der Karte ich das Startdreieck suchen muss. So versuche ich, die kurze Zeit zum Startpunkt optimal zu nutzen, um bereit für die erste Entscheidung zu sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Erkennen, wenn eine schwierige Route bevorsteht, damit man früh genug mit der Planung anfangen kann. Wichtig hierbei ist, dass man nie das Hier und Jetzt verlässt und nur vorausplant, wenn man genau weiss, wo man als Nächstes hin muss.

Und der letzte schwierige Moment ist die Schlussphase: Wenn man physisch schon sehr am Limit ist, muss man sich immer wieder daran erinnern, weiterhin sehr genau Karte zu lesen, damit man am Schluss keine ärgerlichen kleinen Fehler begeht.   

Was steht in den kommenden 30 Tagen auf dem Programm? Ist eine Jukola-Teilnahme geplant? 

Eine Jukola-Teilnahme war bis vor den Selektionen geplant. Nun werde ich diese absagen, um mich voll auf die Sprint-Disziplin zu fokussieren und mich optimal auf die WM vorzubereiten. Ich werde nächsten Sonntag (7. Juni) für zwei Wochen ins Höhentrainingslager nach St. Moritz gehen. Dort hole ich mir zusammen mit den weiteren WM-Läufern aus dem Schweizer Team den letzten Schliff für die physische Form. Nach diesen zwei Wochen gehen wir direkt vom Engadin für eine Woche ins letzte Vorbereitungslager nach Italien. Dort trainieren wir nochmals in relevantem Gelände und bereiten uns so optimal auf die technischen Aufgaben vor. Die letzte Woche vor der WM bin ich nochmals zu Hause, um mich gut zu erholen und dann hoffentlich bereit für meine erste WM-Teilnahme zu sein.   

Was sind deine Ziele für die WM in Genua? Was ist die besondere Herausforderung in Genua im Sprint?
Für mich ist es schwierig, genaue Rangziele für die WM zu definieren. Ich denke, für mich ist es bereits ein grosser Erfolg, dass ich selektioniert wurde. Gleichzeitig reise ich nicht an, um nur mitzumachen. Wenn man sich im Schweizer Team für die WM selektionieren konnte, weiss man, dass das eigene Niveau hoch ist und man durchaus um Top-10-Plätze mitkämpfen kann. Für mich ist schlussendlich auch wichtig, dass ich am Ende des Tages zufrieden mit meiner Leistung bin und mein bestmögliches Resultat erzielt habe.

Das Gelände in Genua wird ähnlich sein wie beim Weltcup in Locarno. Es gibt Teile in der Altstadt mit vielen kleinen Gassen, wo die genaue und präzise Umsetzung der Routen entscheidend sein wird. Es wird sicher auch wieder eine längere Routenwahl geben, die komplex und entscheidend sein kann.

(Interview: Jürg Dinner)

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